Zycotá
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Vom Eintrage
Dies handelt vom Eintrage als solchem und dem Zerwürfnisse, welches mit der Frau sich ergeben mag, wenn dem Eintrage zu viel Zeyt ist gewidmet worden.
Doch nun bin ich ermattet und werde alsdannen weyterschreiben, wenn's wieder Tag worden ist.
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Beim weiblichen Menschen ..
Beim weiblichen Menschen schließt sich, wie der Zycotá herausgefunden hat, durch intensive mittlerweile über ein Jahrzehnt sich hinziehende Forschungstätigkeit, an der – was für unglaubliche Zufälle sich ereignen können! – ausgerechnet Mme. Zycotá sich in mehr als exponierter Lage beteiligt hat, aus Gründen, die offenbar aus dem vorigen Jahrhundert herrühren und die noch immer nicht restlos geklärt sind, ja bisweilen eher stärker noch zu verschwimmen scheinen als sie es wenige Stunden zuvor ohnehin schon waren und dann allen Beteiligten (also der Mme. Zycotá, dem Zycotá und den Nachbarn) schlechterdings unerfindlich scheinen wollen, es schließt sich also beim weiblichen Manschen an das sog. prämenstruelle das sog. menstruelle Syndrom unmittelbar an, welches nach wenigen Tagen durch die Erscheinungen des sog. postmenstruellen Syndroms rüde zur Seite gedrängt wird. Ohne dass es den Beteiligten weiter auffällt, geht das postmenstruelle Syndrom im weiteren Verlauf in das prämenstruelle über, früher oder später, hierüber streiten noch der Leitende Medizinische Direktor des Gynäkologischen Krankenhauses des UKE und die Verwaltungsleiterin desselben Instituts. So ist das also, wie wir ein wenig zu spät richtig erfassen. Im Zentrum der Erkenntnis steht die Tatsache, dass die Übergänge fließend sind in der Weise, dass der eine von dem anderen Zustand nicht unterschieden werden kann. Jeder dieser Zustände ist mit geradezu irrsinnigen Leibschmerzen verbunden, die nur wegen der starken - im Grunde nicht erträglichen - Kopfschmerzen in Vergessenheit geraten. Insbesondere schließen sie lückenlos – mit der Perfektion der Natur sozusagen – aneinander an, das menstruelle also an das prä-menstruelle Syndrom und an jenes dann ohne vermeidbaren Verzug das postmenstruelle. Es wird zwar anderes behauptet, aber das sind mit Verlaub gesagt Wahnvorstellungen. Insbesondere kann als vollständig gesichert gelten, dass es vielfach – nicht anders kann der Zycotá die eintretenden Entwicklungen aufgrund ihrer Heftigkeit deuten – zu Überlappungen der genannten wirklich scheußlichen Krankheiten kommt, ja diese sogar – man verzeihe die hier ein wenig kalauerhaft wirkende Formel – die Regel sind, so dass die aus ihnen heraus auf die Patientin selbst und ihre Umwelt übergreifenden wütenden Attacken sich gegenseitig in prachtvoller Weise verstärken (in den Worten und aus der Perspektive ausschließlich der Medizinwissenschaftler allerdings, zu denen der Zycotá aus naheliegenden Gründen nicht gehört). In der Folge nehmen etwa zunächst mit nicht hinreichend gebremstem Rotweingenuss gedeutete Kopfschmerzen ein solches Ausmaß an, dass sie auf Nahestehende (im körperlichen Sinne begriffen, aber vielfach auch familien-soziologisch zutreffend) übergreifen und diese schier zu Boden schmettern. Nachdem sogar die Vereinigung aller drei Zustände in einem einzigen Zeitpunkt zu beobachten ist (Zycotá: „Ich könnte schwören ...“), wird sie – das hat der Zycotá ausgiebig geprüft – trotz unabweisbaren erheblichen Bedarfs von allen führenden Glasbruchversicherern und allen anderen Glasbruchversicherern im Wege einer in diesem Sommer hastig umgesetzten Änderung der Versicherungsbedingungen ausdrücklich und (ausnahmsweise, möchte der kritische Kunde anmerken) unmissverständlich ausgeschlossen. Lediglich eine im Oktober 2003 gegründete Gesellschaft hat die Marktlücke gesehen, doch befindet sich der Verwaltungssitz des Unternehmens ausweislich der Palmen auf dem jetzt hier eingekommenen Prospekt auf den Niederländischen Antillen und mit so was haben wir ja schon bezüglich der Verwaltung des Vermögens ungute Erfahrungen gemacht (ach, hat jemand mal ’n Bonbon?).
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Vom Polier
Alle
haben zusammengeworfen. Einzelne haben Wörter, wenige ganze Sätze oder
Teilsätze und andere haben die Satzzeichen beigetragen. Einer hat sich
um die Kommas gekümmert, ganz allein. Der Herr Oberstleutnant musste es
ordnen. Der Sargträger links vorn hat aber noch an den Enden gezupft.
Der Polier hat seine Wasserwaage ausgeliehen, so dass jeder Absatz in
der Balance blieb. Nicole hatte sogar ihre Meilen geopfert. Um halb
zehn war Pause; die kleine Maria hatte von den Rabwürsten, die noch in
der Kammer hingen, zwei herbeigebracht, die wir dann aßen, während wir
die Fälle noch einmal hochnahmen und ans Licht hielten, der Magerer,
auf vollen Backen kauend, diesen Genitiv da in der dritten Zeile
verächtlich beiseite warf, ächzend aufstand und zum Schuppen humpelte -
seit dem Kriege hat er das - und dabei etwas von dem Dativ murmelte,
der da noch hinter den ganzen Parenthesen verbuddelt sein müsse. Und
triumphierend kehrte er zurück, mit dem Dativ, der aber schon ein
bisschen sehr verstaubt war, und mit einem funkelnagelneuen Einfall!
Alle applaudierten wir. Jetzt könnte es klappen. Der neue Eintrag, er
würde noch heute fertig werden! Rosa fiel mir um den Hals: "Morgen
können wir den Zycota erschießen. Er wird nie wieder mogeln, Opernplatz
hin oder her! Alle Hotels gehören jetzt uns." Nicht das kleinste
Flöckchen wird es auch dieses Jahr am Roten Meer schneien, das kommt
für mich überhaupt nicht in Frage.
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Die Speisekarte
Es steht nicht mit letzter Gewissheit fest, dass wir die Speisekarte beim Laoten schon vollständig gewürdigt haben. Wir haben unterlassen darzustellen – und Vergleichbares mag uns auch bei unserem kleinen Bericht über das Haifischbecken im Tierpark von Utrecht unterlaufen sein, zu dem wir eine einzige Zuschrift erhalten haben, bei aller Bemühung um eine schonungslose und doch einfühlsame Behandlung dieses so heiklen Themas –, dass die Speisen dort nicht der Reihe nach aufgeführt sind. Das ist doch äußerst ungewöhnlich. Darauf, dass es sich so verhält, hat der Wirt den Zycotá bei jedem Besuch auf’s Neue hingewiesen, wohl in der Sorge, dass der Zycotá das Besondere an dieser Darstellungsweise nicht begreifen würde, wenn es ihm nicht in der allereindringlichsten Weise vermittelt würde. Der Wirt steht mit diesem Anliegen in der Tat vor einer schweren Aufgabe, zumal wenn der Tscheche nicht da ist. Der Tscheche sitzt aber zum Glück oft an Tisch 29 (zwei Stühle; es gibt noch Tisch 1 mit ebenfalls zwei Stühlen beim Laoten und Tisch 2 mit allerdings nur einem Stuhl, weshalb bei der Feier wegen des Patents insgesamt nicht genug Stühle da waren, so dass man auf das Nachbarrestaurant hätte ausweichen und die Speisen über die vom Laoten über die zugige Chaussee herbeitragen lassen müssen, wenn sich nicht die Ludmilla beim Käfermäuschen – so hieß sie doch? – auf den Schoß gesetzt hätte und der Tscheche nach einer kräftigen Ohrfeige vom Wirt früher als sonst nach Hause gegangen wäre). Wenn der Tscheche nicht da ist, ist der Wirt sozusagen aufgeschmissen, denn er kann nur ein wenig Tschechisch und spricht kein Deutsch (Laotisch spricht er natürlich, das ist ja seine Muttersprache). Er versucht dann, die besondere Art der Gliederung der Speisekarte mit Zeichensprache zu erklären. Tränen schießen ihm in die Augen, wenn er sieht, dass der Zycotá und seine Gäste nicht zu verstehen scheinen und zu tuscheln beginnen (denn wer die laotische Form der Zeichensprache nicht kennt, der muss sich über das minutenlange „komische Herumgefuchtel“ (Ludmilla) mit der Speisekarte mit den komischen ungeordneten Schriftzeichen darauf schon wundern.
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Beim Laoten
Genau genommen ist das laotische Restaurant in Barmbek nur etwas für echte Kenner. Wer nicht etwas für fremde Kulturen übrig hat, wird da nicht hingehen. Der Zycota tut das nur, wenn es wirklich etwas zu feiern gibt, wie jetzt endlich die Erteilung des Patents. Nachtisch gab's allerdings keinen – „Leute, das verkneifen wir uns heute!“ –, nicht für die Ludmilla, nicht für das Käfermäuschen und auch nicht für den blauen Alois, nur der Sepp, der bekam einen, was die anderen ungerecht fanden und fast fortgegangen wären, keinen Nachtisch also (nur für den Sepp), wegen dieser sonderbaren Aufstempelung auf dem Patent („Unbestimmte Gültigkeitsdauer! Gilt nicht in den Landkreisen Herzogtum Lauenburg, Hochsauerlandkreis und Freyung-Grafenau!"), die den Nutzen daraus ja doch wieder in Frage stellt.
Das Irritierendste am Laoten ist wohl diese Speisekarte. Auf laotisch – was hier ja fast keiner kann! – und dann auch noch in laotischer Schrift, also im Grunde eine Zumutung. Die Laoten sind wohl das einzige Volk auf der Welt, das die arabischen Zahlen nicht verwendet, so dass man auch die Preise nicht lesen kann. Den Zycota ärgert das ein bisschen, denn er wählt die Gerichte gern nach den Preisen. Hat er Lust auf etwas richtig Gutes, dann nimmt er ein eher teueres Gericht, und sonst was Billiges. Wenn er sich bestrafen will und etwas ganz Schlechtes essen, dann gibt es eben das billigste Gericht auf der Karte und er bestellt zum Beispiel „(mit Sahne) 50 Cent“ oder „Pommes Frites, Bratkartoffeln, Salzkartoffeln oder Reis 1,00 Euro“ oder „Westernteller“ aus der Rubrik „Für unsere Kauboys und Kaugirls“. Das alles geht beim Laoten nicht, abgesehen davon, dass den Laoten ihre Religion Kartoffelspeisen ja verbietet.
Nicht nur, dass der Zycota und manche andere in Hamburg – Flickschusterei hin oder her – laotische Zahlen nicht lesen können – es entspricht auch nicht den laotischen Vorstellungen von Gastfreundschaft, in die Speisekarte Preise hineinzuschreiben. Der Wirt und seine Familie würden gedemütigt, wenn sie durch den Ausweis von Preisen bei den einzelnen Gerichten offen mitteilen würden, dass sie für das Dargebotene eine Bezahlung erwarten. Deshalb sind in den drei laotischen Restaurants, die es in Deutschland gibt – zwei in Barmbek und eines glaub’ ich in Pinneberg – immer Deutsche oder sonst Europäer angestellt, die den Gast vor dem Verlassen des Lokals an der Tür abfangen und zur Entrichtung einer Zeche anhalten können. Das geschieht, sehr zum Verdruss des Wirts und seiner Familie, oft in recht rüdem Ton: Ob sich der Gast einbilde, der Wirt habe nichts Besseres zu tun, als für den "Gast" - in dieses Wort war eine gehörige Portion Verachtung zu legen -, diese Schleiereule, umsonst zu kochen? Er solle sich doch mal die Kinder des Wirts ansehen, wie mager die seien; da können doch wirklich nur eine ganz besonders miese Drecksau sich so einfach davon machen, nachdem sie sich den Bauch vollgeschlagen habe, einfach so, ohne zu zahlen.
Ich kenne keinen, dem laotisches Essen wirklich schmeckt, und Zycota und seine Gäste gehen eigentlich nur aus alter Loyalität hin (der Wirt und der Zycota haben zusammen ein Semester Physik studiert, bevor der Wirt dann auf Afrikanistik umgesattelt hat, wegen der ganzen arabischen Zahlen im Grundstudium, und der Zycota sich endlich auf die Flickschusterei konzentriert).
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Wassersuppe
Ich bin da aus Versehen auf so 'ne Kochseite geraten.
Oh je, stelle jetzt erst fest, dass mein Rezept "privat" gepostet war - habt Ihr ja gar nichts von!
Nachtrag: Von den Küchenrezepten hat mich der Meister 'runtergeschmissen und auf die sog. gemischte Platte geschubst. Trotzdem: Mahlzeit!
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Schlüpf 'rein
Zum Picknick gehört die Mülltüte. Wenig erörtert, die Mülltüte, weniger als ihr nach ihrer Bedeutung und ihrer beständigen Teilnahme an den Picknicks wohl gebühren würde, jedenfalls an den Picknicks, die von U. veranstaltet werden. Und was sagt mir da dieses Kind ins Gesicht, nachdem die Mülltüte als solche identifiziert war, feierlich deklariert und sogleich in praktischen Gebrauch genommen, mir, seinem Vater, das Kind, mit seinen elf Jahren, freundlich lächelnd, die Tüte weit aufhaltend, so dass das Schokoladenpapier und die Apfelreste fast schon wieder 'rausfallen:
"Schlüpf 'rein!"
Es gab dann kein Eis heute.
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